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"Nieheimer Schuhu. Peter-Hille-Literaturpreis"

Der 7. Peter-Hille-Literaturpreis geht an den bundesweit bekannten Kabarettisten und Buchautoren Jochen Malmsheimer.

Die Skulptur des "Nieheimer Schuhu. Peter-Hille-Literaturpreis"_© Peter Hille Gesellschaft_Kultur Kreis Höxter
12.09.2026
Gut Holzhausen, Gutshof 1, 33039 Nieheim
Nieheim
Der Eintritt ist frei (Kollekte).
www.peter-hille-gesellschaft.de
Dr. Michael Kienecker
(Vorsitzender der Peter-Hille-Gesellschaft e.V.)
05231 / 3010605
kienecker@peter-hille-gesellschaft.de


Jochen Malmsheimer wurde 1961 in Essen geboren, wuchs aber in Bochum auf, wo er auch sein Abitur ablegte. Er studierte einige Semester Germanistik und Geschichte an der Ruhr-Universität in Bochum, entschied sich dann aber für eine Buchhändlerlehre.

Schon als Zwanzigjähriger ging er auf die Bühne: Zunächst als Sänger der Bluesband "Vatermörder", die dem großen Vorbild der Blues Brothers nacheiferte. Bekannt wurde er dann – zusammen mit Frank Goosen – als das Kabarett-Duo "Tresenlesen", das von 1992 bis 2000 als Ruhrgebiets-Kabarett sehr erfolgreich war. Ab 2000 trat Malmsheimer überwiegend als Solokünstler auf. In seinen bisher neun Bühnenprogrammen widmet er sich so ziemlich allem, was den Zeitgeist bewegt: Mit verblüffenden Wortspielen und kraftvoll inszenierten Temperamentsausbrüchen reißt er das Publikum mit. So entstand eine ganz eigene, charakteristische Kunstform, die als episches Kabarett bezeichnet wird. Von 2007 bis 2013 war er in der ZDF-Kabarettsendung "Neues aus der Anstalt" in der Rolle des Anstalt-Hausmeisters zu sehen und trat dort mit Urban Priol, Georg Schramm und anderen auf. Legendär sind auch seine gemeinsamen Lese-Auftritte mit Jürgen von der Lippe. Nach 20-jähriger Pause reaktivierten Malmsheimer und Goosen im April 2020 das Format des Tresenlesen.

Jochen Malmsheimer hat Bücher und Hörbücher publiziert und zahlreiche Preise gewonnen: Bereits 1997 den Prix Pantheon und 1998 den Salzburger Stier, 2009 folgten der Deutsche Kleinkunstpreis und der Deutsche Kabarettpreis, danach der Bayerische Kabarettpreis (2012), der Schweizer Kabarett-Preis-Cornichon (2015) und schließlich nochmals der Deutsche Kabarettpreis (2018).

Als Kabarettist setzt Malmsheimer auf Bildung jenseits von Fernsehen und Internet und wendet sich gegen jede Form von Fremdenhass und ideologischem und religiösem Fanatismus. Sein sympathisches Credo lautet: „Ich bin besonders glücklich, wenn das Glück unvollkommen ist. Vollkommenheit hat keinen Charakter.“

Und so navigiert Malmsheimer mit satirischer Schärfe durch die „Fährnisse des Alltags“ und wendet sich gegen eine Grundhaltung, die mehr auf Abgrenzung als auf Dialogbereitschaft setzt. Er mahnt: „Wer seine Blase nicht verlässt, ist für alles jenseits von ihr unerreichbar.“ Und darum wirbt er um eine unvoreingenommene Begegnung mit der Kunst: „Fordern Sie nichts von Kunst, was sie nicht zu geben imstande ist, sondern helfen Sie ihr, überhaupt erst mal zu entstehen und staunen Sie darüber, was das dann vielleicht mit Ihnen macht.“ Das ist der demokratische Imperativ, der Kunst und Kabarett innewohnt!

Jochen Malmsheimer ist ein „Wortakrobat“, dessen Texte mit verblüffenden Neologismen und Wortspielen in gewaltigen Satz-Ungetümen gespickt sind, die gedankliche Salti vollführen, die auf einer stupenden Bildung fußen. Mit einer geradezu überbordenden Formulierungslust, die einer ungeheuren Assoziationskraft entspringt und auf der Bühne zu vitalen Temperamentsausbrüchen in atemberaubendem Sprechtempo führt, treibt Malmsheimer die Pointen in immer neue Höhen – eine Kunstform, die zu Recht als „episches Kabarett“ bezeichnet wird.

Doch es ist nicht nur der von Hille für das Kabarett geforderte „Mutwill“, der sich in seinen „Sprachgewittern“ austobt, sondern auch der für Hille ebenso wichtige „tiefwitternde Lebenssinn“, der seine Kabarettprogramme durchzieht: Er versteht sich nicht als politischer Kabarettist, wohl aber als hellwacher Humorist im Sinne Peter Hilles, der über den Humor schrieb: „Er rührt und stimmt fröhlich. Der Mensch findet sich ganz in ihm wieder.“ Und bei Malmsheimer lautet das so: „Humor kann und will die Welt nicht retten, aber er kann ein Freund sein, ein Gehilfe, ein Tröster, eben ein Begleiter durch die Fährnisse des Alltags.“

Verbunden mit Peter Hille in dieser humoristischen Grundhaltung ist Jochen Malmsheimer der würdige 7. Preisträger des „Nieheimer Schuhu. Peter-Hille-Literaturpreis“.

Der Nieheimer Schuhu ehrt Autorinnen und Autoren, die in Westfalen geboren wurden, in Westfalen leben oder deren Werk einen besonderen Bezug zu Westfalen aufweist. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wird – im Turnus von drei Jahren – von der im Jahr 1983 gegründeten Peter-Hille-Gesellschaft verliehen und erinnert an den westfälischen Schriftsteller Peter Hille, der 1854 in Erwitzen bei Nieheim geboren wurde und als Berliner Dichter-Bohemien in die Literaturgeschichte einging. Hilles eigens für das Kabarett geschriebenen „Lieder des betrunkenen Schuhus“ geben dem Preis seinen Namen.

Die bisherigen Preisträger sind Erwin Grosche, Fritz Eckenga, Wiglaf Droste (†), Hans Zippert, Bernd Gieseking und Sarah Hakenberg.

Stifter des diesjährigen Preises sind die ostwestfälische Stadt Nieheim, die Bürgerstiftung Nieheim und die Sparkasse Paderborn-Detmold-Höxter. Die Bronzeskulptur des „Nieheimer Schuhu“ hat der Künstler Bernd Bergkemper gestaltet.

Die Preisverleihung findet anlässlich einer öffentlichen Veranstaltung am 12. September 2026 ab 19:00 Uhr auf dem Gut Holzhausen statt. Der Preisträger wird den Abend mit einem vergnüglichen Programm gestalten. Die Laudatio hält der Kabarettist und Buchautor Fritz Eckenga.